Manchmal bekommt man zum Geburtstag etwas geschenkt, das man sich selbst wahrscheinlich niemals kaufen würde. Bei mir war es ein Fallschirmsprung.
Meine Kinder waren der Meinung, dass ich das unbedingt wieder einmal machen sollte. Ich war mir da nicht ganz so sicher. Sagen wir es so: Die Begeisterung hat sich anfangs ungefähr in derselben Höhe wie meine Sprungbereitschaft gehalten, nämlich ziemlich weit unten.
Aber irgendwann bin ich tatsächlich im Flugzeug gesessen. Hinter mir mein Tandemmaster, neben mir mein eigener Fotograf und Kameramann, den habe ich mir selbstverständlich geleistet. Wenn, dann das volle Programm! Und plötzlich ist da ein komisches Gefühl in mir aufgekommen: Echt jetzt? Augenblicklich hat es eigentlich nur zwei Möglichkeiten gegeben: Ich habe Angst, oder ich genieße jede Sekunde. Ich habe mich für Variante zwei entschieden. Und es hat tatsächlich funktioniert.
Tür auf. Wind. Raus. Und dann? Fliegen!
Der freie Fall, das Adrenalin, das unglaubliche Licht vor Sonnenuntergang, der Wind – alles gleichzeitig. So viel passiert in so kurzer Zeit, dass ich den eigentlichen Sprung im Nachhinein erstaunlich wenig bewusst wahrgenommen habe. Dafür war jemand anderes hellwach: mein Fotograf und Kameramann.
Er ist gemeinsam mit mir gesprungen und hat das gesamte Erlebnis fotografisch und filmisch begleitet. Professionelle Fotografie aus einer Perspektive, die man sich normalerweise nicht einmal mit einer Drohne vorstellen kann.
Und genau das ist das Faszinierende an professioneller Fotografie: Ein Erlebnis, das nur wenige Minuten dauert, kann durch Bilder plötzlich wieder ganz präsent werden. Ich kann es in vollen Zügen genießen und weiß, dass ich spätestens in einer Woche die schönsten Fotos von mir erhalten werde.
Am nächsten Morgen habe ich mich mindestens zehn Jahre jünger gefühlt. Ob das am Adrenalin gelegen ist? Sehr wahrscheinlich.
Oder vielleicht ist es daran gelegen, dass ich etwas gemacht habe, vor dem ich durchaus Respekt gehabt habe und es dann nicht nur geschafft, sondern sogar richtig genossen habe.
Vielleicht ist genau das der Punkt beim „Über Grenzen gehen“: Man muss nicht immer etwas Spektakuläres machen. Manchmal reicht es, etwas zu tun, bei dem man vorher denkt: „Das traue ich mich eigentlich nicht.“ Und dann stellt man fest: Doch. Man kann. Und es macht sogar Spaß!
Eine Woche nach dem Sprung sind schließlich der Film und die Fotos gekommen. Und plötzlich habe ich mein Geschenk noch einmal erleben können. Die Bilder zeigen nicht nur, dass ich tatsächlich aus einem Flugzeug gesprungen bin. Sie halten diesen besonderen Moment fest: den freien Fall, die Körperspannung, meinen glücklichen Gesichtsausdruck, die Weite unter mir, den Spaß, den ich dabei tatsächlich hatte und dieses unglaubliche Gefühl, einfach einmal loszulassen.
Ob Architekturfotografie, Porträtfotografie, Produktfotografie, People-Fotografie, Eventfotografie oder Actionfotografie – am Ende geht es immer darum, einen besonderen Moment so festzuhalten, dass er auch später noch etwas auslöst.
Manchmal soll ein professionelles Foto ein Gebäude perfekt zeigen. Manchmal ein Produkt hochwertig präsentieren. Manchmal einen Menschen so porträtieren, dass seine Persönlichkeit sichtbar wird. Und manchmal soll ein Bild einfach daran erinnern, dass man einmal allen Mut zusammengenommen hat und aus einem Flugzeug gesprungen ist.
Erstens: Meine Kinder kennen mich offenbar besser, als ich dachte.
Zweitens: Fallschirmspringen macht jünger. Zumindest gefühlt.
Und drittens: Es lohnt sich, gelegentlich über die eigene Grenze zu gehen. Manchmal beginnt dahinter nämlich nicht das Chaos, sondern etwas ziemlich Großartiges. Und wenn dann auch noch ein professioneller Fotograf dabei ist, gibt es am Ende sogar Beweise dafür.
Ich würde sagen: Wiederholungsgefahr. Vielleicht nicht unbedingt morgen. Aber spätestens in 10 Jahren.
Als Fotografen-Ehefrau und -Mutter weiß ich natürlich, wie wertvoll professionelle Bilder sind. Ich habe es diesmal selbst erlebt. Mein Fallschirmsprung hat mir jedenfalls gezeigt: Manchmal muss man sich aus der Komfortzone bewegen, damit wirklich etwas passiert. Und manchmal braucht es danach nur ein gutes Foto, um es wieder und wieder zu erleben.
Ihre BRIGitte Huger
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